Text über das Zeichnen

ZEICHNEN | BÜCHERBILDREIHEN | MUSIK | WAS MEINE ARBEIT ANBELANGT

Es sind zwei Routinen an die ich anknüpfe. Schreiben und Aktzeichnen. Deutlich abstrahiert, weit weg von Konkretem. Ich schreibe keine Worte, zeichne nichts Bestimmtes. Es ist nur die Bewegung, die Geste, der Habitus, eine Art Substrat des Schreibaktes, der Linien die ich gefunden habe und abrufe. Mein Zeichnen ist ein Trotten und Stolpern ohne Eleganz, ab und an stehen bleiben und nachdenken oder so tun als würde ich nachdenken, mehr nicht. Gut oder schlecht, bedeutend oder irrelevant, singulär oder so ähnlich wie…. – ich weiß es nicht und meistens will ich es auch nicht wissen. Sicheres oder Entschiedenes macht mich argwöhnisch, es ist die Haltung derer, die haben oder haben wollen. Das Bedürfnis nach Gewissheit, nach überlegener Gewissheit, nach Überlegenheit und dann in der Folge nach Macht und Besitz ist mir natürlich nicht fremd: In allen Bereichen unserer Kultur und Lebenswirklichkeit haben sich Verfahren etabliert für die Haben, Beurteilen, Verurteilen, Kategorisieren, Optimieren und Abgrenzen konstituierend sind. Wir sollen/müssen/wollen unsere Sehnsüchte, Anliegen, Hoffnungen, die Liebe in Besitz und Gewissheit materialisieren. In meinem Verhältnis zu meinen Zeichnungen und Bildern funktioniert das nicht. Die Kategorien sicher, klar oder entschieden – gelingen nur kurz und dann kippt meine Gewissheit weg. Ich will, dass das Ungewisse, das Fragile, das Fragliche, das Unsichere, das Ungenaue, das Provisorische, das Ungefähre, das Flüchtige konstituierend für meine Arbeit ist. Vermutlich ist es sogar so, nur wenn eine Zeichnung mir die Gewissheit verweigert, ist sie vielleicht für Momente brauchbar und das sollte genügen.